Herbert – Mein Vater

    Eine tolle Jugend… Daniel Müller erzählt

    Als Kleinkind kann ich mich kaum an meine Eltern erinnern; am ehesten noch an eine Szene als dreijähriger Knirps. Mein Grossvater Arthur (1912-1964) tröstete mich auf seinen Armen – ich hatte an seinem parkierten Maserati die Scheibenwischer solange laufen lassen, bis diese laut zu quietschen und rattern begannen! Ich bekam es mit der Angst zu tun und begann zu weinen. Arthur hat den Maserati später verkauft! Heute treibt mir eher der Verkauf das Wasser in die Augen…

    Arthur hatte in zweiter Ehe eine junge Frau geheiratet – kurze Zeit später ist er – viel zu früh – gestorben. Somit bleibt die Szene mit dem Maserati die einzige Erinnerung an ihn.

    Fortan war mein Vater, der 24-jährige Herbert vollauf beschäftigt, den elterlichen Metallveredelungsbetrieb auf Kurs zu halten, sodass nebst den mittlerweile intensiven Motorsportaktivitäten kaum mehr Zeit für ein ausgedehntes Familienleben blieb. Darüber möchte ich in keiner Weise klagen, durfte ich in der Folge doch viele Vorzüge seiner Aktivitäten miterleben.

    Mein Erinnerungsvermögen setzt erst wieder lebhaft mit sieben Jahren ein, als Herbert befand, mir sei nunmehr das richtige Leben – sprich Autofahren – beizubringen. Zu seiner Freude bin ich danach tageweise – einem Satelliten gleich – mit dem Eintausch-Käfer 1200 um das 1968 neu erstellte Fabrikationsgebäude im aargauischen Reinach gekreist. Dies ging soweit, dass die Mechaniker, welche in der neu angegliederten Autogarage im Erdgeschoss arbeiteten, die Garage jeweils nur verlassen konnten, wenn ich soeben vorbeigerauscht war… Gelegentlich kam es zu Zwischenfällen, vorallem wenn mir Kurt Seemann, der Co-Chefmechaniker Streiche spielte – aber das soll er selbst in seiner Kolumne unter "seine Freunde" schreiben!

    Herbert widmete sich weiterhin mit ganzem Herzen seiner Metallveredelung, dem Garagenbetrieb mit anfänglich Ford Cobra & Mustang-, dann BMW- und schlussendlich VW-Vertretung - und – übers Wochenende seinem geliebten Motorsport.

    Die Rennanlässe
    Selbstverständlich waren meine Mutter Marianne (sie lebt noch immer in Reinach/AG) und ich bei fast allen Rennanlässen mit dabei. Dazu fällt mir ein, dass meine 3. Klass-Lehrerin meiner Mutter ausrichten liess, sie möge mit mir doch einen Arzt aufsuchen, wenn ich so oft krank sei…

    Später dann liess mich Herbert gelegentlich zusammen mit den Mechanikern im Renntransporter auf die Rennstrecken fahren. Welch ein Genuss!
    Da waren wir also unterwegs mit diesem Opel-Blitz Sattelschlepper mit 3-Liter V6 Commodore-Motor, welchen ich Richtung Orange (F) fuhr, währenddem der italo-kanadische Ferrarimechaniker Luciano Vidotti in der Schlafkabine döste – das Jahr dazu ist mir soeben entfallen...
    Oder wenn wir vor versammelter Menschentraube – stolz wie kleine Helden – zusammen die Rennwagen entluden und startbereit machten.
    Oder wenn ich während den Rennen die Boxentafeln aufbereiten und Herbert und seinen Co-Piloten anzeigen durfte.
    Oder wenn ich mir von…wie war sein Name schon wieder…auf der Nürburgring-Tribüne mein Allgemeinwissen bezüglich Verwendung von körperartigen Gummiartikeln erweitern liess.

    Es war ein wunderbares Gefühl mitzuerleben, wenn Herbert gewonnen hat – und wir an der Boxengasse ein Teil von diesem Erfolg sein durften. Es hatte andererseits charakterbildende Eigenschaften, mitanzusehen, wenn wir gemeinsam verloren und uns zum nächsten Rennen zu orientieren hatten, ohne mit dem Schicksal zu hadern.

    Und so liessen sich die Geschichten noch Stunden weiter erzählen. Ich hatte durch die Rennerei von Herbert eine herrlich-interessante Jugend mit vielen unnachahmlich-tollen Erlebnissen!

    In Liebe

    Daniel Müller, Birrwil/CH