seine Freunde und Bekannten

    Norbert Singer, Weissach/D

    Episoden von Norbert Singer, Chefentwickler und Einsatzleiter Porsche Rennabteilung, Weissach/D

     

    Nenngeld bezahlt mit Preisgeld

    LeMans Test-Weekend 1. April 1973

    Am 31. März 1973 fuhren Norbert Singer mit vier seiner Mechaniker und seinen beiden Einsatzteams HErbert Müller /Gijs van Lennep und Manfred Schurti/Herlmuth Koinigg mit den beiden Porsche Carrera 911-360 R2 und R6 nach LeMans zum Testen.

    Dort angekommen teilte man ihnen mit, dass heute kein Testtag sei sie aber tags darauf das 4 Stunden Rennen fahren könnten.

    Na gut sagte sich Norbert Singer: „Wenn mir schon hier sin’, dann fahren’s mir halt das 4 Stunden Rennen.“

    Die Dame bei der Registration gab zur Antwort, dass sich das Team dazu einzutragen und das Nenngeld zu bezahlen habe.

    Für die Aufgabe wurde Herbert beauftragt, da er gut Französisch sprach. Nach dem Eintrag nannte die Dame bei der Registration den Betrag für das Nenngeld. Herbert hatte natürlich nicht genug Geld dabei und begab sich zur Mannschaft zurück.

    Nun wurde gesammelt - alle gaben Ihr Geld und Herbert kehrte zum Schalter zurück und legte der Dame das Geld hin. Diese bemerkte, das sei aber nur
    die Hälfte und Herbert erwiderte, dass das Team Porsche die andere Hälfte
    vom Preisgeld bezahlen würde!

    Die Dame lachte und sagte: „Das müsst ihr zuerst gewinnen!“, worauf Herbert meinte: „Das werden wir auch!“ Na gut meinte sie und ging darauf ein. ( Wäre heute unvorstellbar).

    Nach 57 Runden à 13.640 Kilometern und einem Durchschnitt von 193.2km/h wurde das Team Müller/Lennep auf dem Martini Porsche Carrera 911-360 020
    R2 Erste und konnten wie versprochen die andere Hälfte vom Nenngeld
    bezahlen!

     

    Beliebt bei den Mechanikern

    In der Zeit als Herbert Müller bei Porsche Werksfahrer war, testeten diese meistens schon im Januar in Le Castellet auf dem Circuit Paul Ricard.

    Hatten die Mechaniker eine längere Reparatur auszuführen, begab sich Herbert mit seinem dunkelgrünen BMW 2800 in das nächste Dorf und kaufte Mittagessen für alle ein.

    Denn die Mechaniker hatten keine Zeit und die Porsche-Verantwortlichen sprachen - zumindest damals - kein Französisch. Waren alle satt und die "Testträger" noch immer nicht bereit, unterzog Herbert seinen BMW einer Autowäsche - mit "Reportermantel" und grünen Gummistiefeln...!

     

    Nervosität in der Box

    Targa Florio 1973

    Bei der Targa Florio vom 13. Mai 1973 war neben Dr. Fuhrmann und Norbert Singer auch der Reifeningenieur Dieter Klotzbach anwesend. Nach dem Start
    von Herbert unterhielt sich Klotzbach mit Singer und der Crew wegen den Reifenwechsel.

    Eigentlich wollte man nach 2 Runden die hinteren und nach 4 Runden die vorderen Reifen wechseln. Klotzbach riet aber wegen der schlechten Strassenverhältnisse und da eine Runde ja auch mit 72 Kilometern zu Buche stand, die hinteren schon in der ersten Runde zu wechseln.

    Herbert kam in die Box und die Mechaniker wechselten die hinteren Reifen. Dr.Fuhrmann sprang von der Mauer und wetterte zu Singer und den Mechanikern, ob sie nicht ganz bei Trost seien in der ersten Runde schon die Reifen zu wechseln. Damit hätten sie enorm viel Zeit verloren die sie wieder aufholen müssen.

    Doch da beruhigte der Reifeningenieur Klotzbach den Dr. Fuhrmann und
    zeigte ihm den einen hinteren Reifen der schon einen schleichenden
    Plattfuss aufwies und zum sicheren Ausscheiden geführt hätte.

    Dann kam aber auch gleich ein grosses Lob von Fuhrmann an die
    Mannschaft! “Das habt Ihr aber Toll gemacht“ und die Welt war wieder in Ordnung. Dieser Entscheid erwies sich als weise, hat er in der Folge zum
    Sieg der letzten klassischen Targa Florio geführt!

    Da in der letzten Runde die italienischen Zuschauer oben am Berg immer
    wieder riefen: „Numero otto abbandonato!“ (Nr.8 ausgefallen) und man zu
    dieser Zeit noch keine Telemetrie oder Funk mit den Piloten hatte, wurde
    man sehr nervös in der Porsche-Box. Man hatte aber in der Hälfte der Renndistanz einen Posten eingerichtet, der kleinere Reparaturen ausführen konnte und auch einige Ersatzteile zu Verfügung hatte. Mit diesem Posten
    hatte man auch eine telefonische Verbindung. Als der meldete, dass Nr.8
    noch nicht vorbeigekommen sei, wurde die Porsche-Crew noch nervöser.
    Denn die Italiener riefen immer wieder: "Nr.8 ausgefallen" und niemand
    wusste Bescheid!

    Als endlich vom Posten die erlösende Nachricht kam: „Nr.8 ohne Probleme vorbeigefahren!“ fiel allen ein Stein vom Herzen.

    Der Porsche Carrera 911-360 0588 R6 passierte nach 6 Stunden 54 Minuten
    und 20 Sekunden die Ziellinie als Sieger vor dem Lancia Stratos von Sandro Munari mit 6 Minuten Vorsprung. Ein wunderbares Erlebnis für die ganze
    Crew. Herbert vermochte seinen zweiten Gesamtsieg einzufahren ...und zu
    feiern wie kein Zweiter!